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Open Access
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Open Access (Englisch fßr offener Zugang) ist der freie Zugang zu wissenschaftlicher Literatur und anderen Materialien im Internet. Ein wissenschaftliches Dokument unter Open-Access-Bedingungen zu publizieren, gibt jedem die Erlaubnis, dieses Dokument zu lesen, herunterzuladen, zu speichern, es zu verlinken, zu drucken und damit kostenlos zu nutzen. Darßber hinaus sollen den Nutzern ßber freie Lizenzen weitere Nutzungsrechte eingeräumt werden, welche die freie Nach- und Weiternutzung, Vervielfältigung, Verbreitung oder auch Veränderung der Dokumente, auch zu kommerziellen Zwecken, ermÜglichen kÜnnen.cite-ref-1[1] Diese in der Berliner Erklärung ßber offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen von 2003 formulierte Definition von Open Access hat sich weltweit etabliert.cite-ref-2[2]cite-ref-3[3]
Bei der wissenschaftlichen Fachliteratur kann es sich um frei zugängliche Beiträge in elektronischen Zeitschriften, um Open-Access-BĂźcher, um Preprints oder Online-Versionen von Beiträgen in BĂźchern und Zeitschriften (Postprints) handeln, die von den Wissenschaftlern auf den Servern freier elektronischer Zeitschriften, universitären oder institutionellen Archiven, fachbezogenen Servern oder auf ihren privaten Websites frei zur VerfĂźgung gestellt werden. Open Access schlieĂt auch das Zugänglichmachen von wissenschaftlichen Primär- und Metadaten, Quellentexten und von digitalen Reproduktionen ein.cite-ref-berlindeclaration-4-0[4]
Wissenschaftliche Texte, die hinter einer Paywall verborgen bleiben und damit nicht unter Open-Access-Bedingungen publiziert werden, werden zur Abgrenzung von Open Access manchmal als Closed Access oder Toll Access bezeichnet.
Contents
⢠Geschichte
⢠Goldener Weg
⢠Grßner Weg
⢠Diamantener Weg
⢠Bronze
⢠Digitalisate
⢠Finanzierung
⢠Umsetzung
⢠Kritik
⢠Ăkonomisierung
⢠Literatur
⢠Dokumentarfilm
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Geschichte
Unter dem Druck der steigenden Preise fĂźr wissenschaftliche Publikationen bei gleichzeitig stagnierenden oder schrumpfenden Etats in den Bibliotheken während der Zeitschriftenkrise bildete sich seit Beginn der 1990er Jahre eine internationale Open-Access-Bewegung. Die zentrale Forderung dieser Bewegung ist, dass wissenschaftliche Publikationen als Ergebnisse der von der Ăffentlichkeit gefĂśrderten Forschung dieser Ăffentlichkeit wiederum kostenfrei zur VerfĂźgung gestellt werden sollen. Zur BegrĂźndung wird angefĂźhrt, dass die bisherigen Publikationsstrukturen eine Privatisierung des von der Allgemeinheit finanzierten Wissens darstellten. Durch Open Access solle verhindert werden, dass dieses Wissen erneut von der Allgemeinheit finanziert von den Verlagen zurĂźckgekauft werden mĂźsse, die durch die Publikation die Nutzungsrechte erhalten haben. Die Open-Access-Bewegung verfolgt auch das Ziel, die digitale Kluft zu verringern. Unter anderem sollen so Wissenschaftler mit geringem Budget an wissenschaftliche Ergebnisse gelangen und am Diskurs teilnehmen kĂśnnen.cite-ref-5[5]
Erst mit der Entwicklung des Internets, des elektronischen Publizierens und der damit schnellen und einfachen Verbreitung von Dokumenten wurde die Frage des freien Zugriffs auf wissenschaftliche Informationen aktuell. Zuvor waren die Voraussetzungen und die Realisierbarkeit durch die technischen Rahmenbedingungen eingeschränkt.cite-ref-oa-historischer-abriss-6-0[6]cite-ref-0-7-0[7] In den 1990ern erschienen unter dem Begriff des elektronischen Publizierens (Online-Publishing) die ersten deutschsprachigen Ratgeber fĂźr das Publizieren im Internet fĂźr Wissenschaftler, welche u. a. die unterschiedlichen Dienste â E-Mail, News, Usenet â beschrieben.cite-ref-8[8] Viele Fachverlage gingen ab Mitte der 1990er dazu Ăźber, ihre Zeitschriften parallel oder ausschlieĂlich elektronisch zur VerfĂźgung zu stellen. Studenten und Wissenschaftler kĂśnnen seitdem diese Artikel Ăźber die Bibliotheks- oder Institutsrechner lesen und ausdrucken, falls ihre Institutionen die LizenzgebĂźhren fĂźr diese Zeitschriften bezahlen.
Die Open-Access-Bewegung hat ihre Vorläufer in den Preprint- und Dissertationsservern der 1990er.cite-ref-rahmenbedingungen-9-0[9]cite-ref-0-7-1[7] Sie beruht auf der Einschätzung, dass Wissenschaftler in der ĂźbergroĂen Zahl der Fälle nicht aus kommerziellen Interessen publizierten, sondern dass das Publizieren als Dokumentations- und Kommunikationsweg zu ihrer Forschungs- und Lehrtätigkeit dazugehĂśre.
Ein weiterer Ausgangspunkt fĂźr die Forderung nach neuen Publikationsstrukturen war auĂerdem die Zeitschriftenkrise. Mit diesem Begriff wird eine Entwicklung bezeichnet, die vor allem im STM-Bereich (Science, Technology, Medicine) stattfand. Der Anteil der den Lesern zur VerfĂźgung stehenden Literatur wurde laufend kleiner, bei steigendem Publikationsaufkommen.cite-ref-alternative-gesch-ftsmodelle-10-0[10] Als Folge der Zeitschriftenkrise wurden Open-Access-Verlage wie JMIR Publications (1999), BioMed Central (2000), PLoS (Anfang 2001) und Copernicus Publications (2001) gegrĂźndet.
2001 grĂźndeten, initiiert durch eine vom Open Society Institute organisierte Konferenz in Budapest im November 2001, eine Reihe bekannter Wissenschaftler, unter ihnen Michael Eisen (Public Library of Science) und Rick Johnson (Scholarly Publishing and Academic Resources Coalition, SPARC), die Budapest Open Access Initiative (BOAI) und verabschiedeten am 14. Februar 2002 eine Erklärung,cite-ref-11[11] in der es u. a. heiĂt: âFrei zugänglich im Internet sollte all jene Literatur sein, die Wissenschaftler ohne Erwartung, hierfĂźr bezahlt zu werden, verĂśffentlichen.âcite-ref-12[12] Diese Konferenz und die daraus entstandene BOAI wird als ein Startpunkt der Open-Access-Bewegung angesehen,cite-ref-gu-don-13-0[13] weil hier zum ersten Mal die verschiedenen Personen und bereits existierenden Initiativen zusammengefĂźhrt wurden.cite-ref-oa-einf-hrung-14-0[14] Der Aufruf bezieht sich jedoch nur auf die Gewährleistung des freien Zugriffs auf Zeitschriftenartikel, fĂźr die die Autoren kein Entgelt erhalten haben, die zuvor einen Peer-Review-Prozess durchlaufen haben und die anschlieĂend parallel im Netz zur freien VerfĂźgung gestellt werden sollten.cite-ref-oa-historischer-abriss-6-1[6]
Am 11. April 2003 wurde in Bethesda, Maryland Ăźber die MĂśglichkeiten einer besseren Einbindung der Beteiligten am Publikationsprozess beraten und im Juni dazu das Bethesda Statement on Open Access Publishing verĂśffentlicht.cite-ref-15[15]
Die Berliner Erklärung Ăźber offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen vom Oktober 2003 ist eine Deklaration, die die Inhalte der Budapester Erklärung und der Bethesda-Erklärung aufgreift und die Ziele der Open-Access-Bewegung erweitert definiert. Von allen wichtigen deutschen Forschungsinstitutionen wurde die Erklärung unterschrieben, wie z. B. der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), der Hochschulrektorenkonferenz, der Max-Planck-Gesellschaft, der Fraunhofer-Gesellschaft, der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW), der Deutschen Initiative fĂźr Netzwerkinformation (DINI) und dem Ministerium fĂźr Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen, das mit DiPP eine eigene Initiative gegrĂźndet hatte. AuĂerdem haben auch internationale Organisationen unterschrieben wie z. B. Open Source Initiative (OSI), SPARC oder Europäische Organisation fĂźr Kernforschung CERN. Die Berliner Erklärung geht Ăźber die Forderungen der Erklärung der Budapest Open Access Initiative deutlich hinaus. Sie wird als Abschluss der Zielformulierungen der Bewegung und als Startpunkt in technischer und organisatorischer Hinsicht angesehen. Seit der Berliner Konferenz gibt es im jährlichen Abstand Folgekonferenzen.cite-ref-oa-historischer-abriss-6-2[6]
Der Schweizerische Nationalfonds verlangt seit Januar 2023, dass alle gefĂśrderten wissenschaftlichen Publikationen sofort (ohne Embargofrist) fĂźr die Ăffentlichkeit frei verfĂźgbar sein mĂźssen.cite-ref-16[16]cite-ref-17[17]
Open-Access-Strategien
Die beiden wichtigsten Publikationswege des Open Access werden auch als âGoldenerâ und âGrĂźner Wegâ bezeichnet.cite-ref-oa-farbenlehre-18-0[18] Sie werden manchmal als konkurrierende, meistens aber einander ergänzende Modelle angesehen: die PrimärverĂśffentlichung und die ParallelverĂśffentlichung. Diese beiden Strategien wurden auf der Budapester Konferenz 2002 entworfen.cite-ref-19[19] Die Bezeichnungen âGoldenerâ und âGrĂźner Wegâ gehen auf den Kognitionswissenschaftler Stevan Harnad zurĂźck.cite-ref-20[20]
Goldener Weg
Der âGoldene Wegâ ist die ErstverĂśffentlichung des wissenschaftlichen Textes in einem Open-Access-Medium, also vor allem in Open-Access-Zeitschriften, die wie die konventionellen Zeitschriften ein Peer-Review einsetzen. Auch die Publikation von Monografien sowie Sammelbänden in einem Open-Access-Verlag wird dem Goldenen Weg zugeordnet. Ăblicherweise wird fĂźr eine Goldene Open-Access-VerĂśffentlichung die Verwendung einer freien Lizenz vorausgesetzt, bei der die Autoren ihre Rechte behalten, und jedermann ein einfaches Nutzungsrecht einräumen.cite-ref-21[21]
GrĂźner Weg
Der âGrĂźne Wegâ ist die ParallelverĂśffentlichung, ZweitverĂśffentlichung oder Selbstarchivierung, die auf privaten Websites, Institutswebsites oder auf Dokumentenservern erfolgen kann. Die Autoren speichern eine Kopie ihres Aufsatzes oder ihrer Monographie, die sie beim Verlag eingereicht haben, Ăśffentlich zugänglich auf einem der genannten Infrastrukturelemente. Dabei wird die nicht-standardisierte Selbstarchivierung zunehmend durch eine Archivierung auf institutionellen Repositorien ergänzt und abgelĂśst. Diese auf dem grĂźnen Weg publizierten Dokumente sind häufig Pre- oder Postprints. Nur bei Postprints hat ein Peer-Review stattgefunden. Auch Primärdaten kĂśnnen Ăźber den GrĂźnen Weg der Ăffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Bei der Archivierung von Dokumenten auf Dokumentenservern werden zwei verschiedene Formen unterschieden: Institutionelle Repositorien werden von einer Institution (beispielsweise einer Hochschule) betrieben und sind meist fachĂźbergreifend, während disziplinäre Repositorien bestimmte Fachgebiete abdecken, dafĂźr aber institutsĂźbergreifend sind. Ein bekanntes Beispiel fĂźr ein disziplinäres Repositorium und zugleich eines der ältesten ist arXiv.
Sherpa Romeo, eine Datenbank, die vom britischen Jisc betrieben wird, listet Verlage nach ihren Leitlinien in Bezug auf Urheberrechte und Parallelpublikation auf und unterscheidet vier verschiedene Kategorien, je nachdem, ob die Selbstarchivierung von Preprints und Postprints, nur von Preprints, nur von Postprints oder gar nicht erlaubt wird.cite-ref-22[22]
Die Open Archives Initiative (OAI) registriert die Betreiber dieser Repositorien und entwickelte ein inzwischen weit verbreitetes Protokoll fĂźr Metadaten, OAI-PMH. Verschiedene Dienste nutzen es zum Metadatenharvesting, so z. B. die Suchmaschine OAIster von der University of Michigan, Scirus von Elsevier, die Bielefeld Academic Search Engine (BASE) oder der Metadaten- und Volltext-Aggregator CORE.cite-ref-23[23]
Diamantener Weg
â
Hauptartikel
:
Diamond Open Access
Diamond Open Access oder auch Platin Open Access bezeichnet ein Publikationsmodell fßr offen zugängliche ErstverÜffentlichungen (Gold Open Access) ohne Kosten fßr Lesende und Autoren. Der Begriff hat sich erst später als Grßn und Gold etabliert und findet zunehmend Verbreitung, ist aber zugleich nicht unumstritten bzw. eindeutig definiert.cite-ref-24[24] Finanziert werden beispielsweise die meisten Diamond-OA-Zeitschriften durch die wissenschaftlichen Institutionen, die die Infrastruktur bereitstellen, und Wissenschaftler, die im Rahmen ihrer Arbeit die Zeitschriften herausgeben.
Hybride Zeitschriften vs. hybrides Publizieren
Viele kommerzielle, subskritionsbasierte Zeitschriften bieten die MĂśglichkeit, gegen eine zusätzliche PublikationsgebĂźhr (Article Processing Charge) einzelne Artikel Open Access zu stellen (siehe Abschnitt Geschäftsmodelle). Erstmals eingefĂźhrt wurde dieses âhybrideâ Geschäftsmodell 2004 von Springer mit seinem Open-Choice-Programmcite-ref-25[25]. Durch diese auch Double Dipping genannte Praxis kĂśnnen die Verlage doppelt verdienen, da neben den laufenden Subskriptionskosten fĂźr die Zeitschrift zusätzlich die PublikationsgebĂźhren fĂźr die Open-Access-VerĂśffentlichung von der Bibliothek bzw. den Autoren bezahlt werden mĂźssen.cite-ref-26[26] Aus diesem Grund sieht Plan S einen schrittweisen Ausschluss von Hybridzeitschriften aus der Finanzierung vor.cite-ref-27[27]
Als hybrides Publizieren wird ebenfalls manchmal bezeichnet, wenn neben der frei zugänglichen elektronischen Open-Access-Version auch eine kostenpflichtige gedruckte Version verÜffentlicht wird. Durch die frei zugängliche Online-Version wird die Auffindbarkeit durch Suchmaschinen und damit die Sichtbarkeit erhÜht. Verlage erhoffen sich dadurch hÜhere Verkaufszahlen der Druckvariante. Dieses Modell kommt vor allem bei Monographien zum Einsatz.cite-ref-28[28]cite-ref-29[29]
Bronze
Der Begriff âBronze Open Accessâ geht auf eine Studie aus dem Jahr 2018 zurĂźck, in der in groĂem Umfang Open-Access-Artikel analysiert wurden. Er wird darin fĂźr diejenigen wissenschaftlichen Artikel verwendet, die auf Verlagswebseiten zwar frei zugänglich sind, jedoch nicht ausdrĂźcklich unter freier Lizenz verĂśffentlicht wurden. Somit ergeben sich fĂźr diese Inhalte Ăźber den rein lesenden Zugriff hinaus keine NachnutzungsmĂśglichkeiten und keine garantierte LangzeitverfĂźgbarkeit. Die Studie zeigte weiterhin, dass unter den untersuchten Artikeln der Anteil von Bronze Open Access gegenĂźber allen anderen Subtypen am grĂśĂten war.cite-ref-30[30]
Black Open Access, Guerilla-Open-Access
Unter den Begriffen Black Open Accesscite-ref-31[31]cite-ref-32[32]cite-ref-mittler2017-33-0[33] oder Guerilla-Open-Access werden illegale Wege bezeichnet, Closed-Access-Materialien zugänglich zu machen.cite-ref-34[34]cite-ref-35[35] Dazu zählen vor allem Schattenbibliotheken,cite-ref-36[36] aber auch Literaturtauschforen wie beispielsweise im Usenet oder in Akademischen sozialen Netzwerken wie Researchgate oder Academia.edu. Auch der Twitter-Hashtag ICanHazPDF kann dazu gezählt werden.cite-ref-37[37] Zwar findet der Begriff Black Open Access weite Verwendung, doch werden die darunter fallenden Angebote in der Regel nicht als unter die Definition von Open Access fallend betrachtet.cite-ref-38[38]
Open Access fĂźr Forschungsdaten
Siehe auch
:
E-Science
Forschungsdaten kĂśnnen durch die technische Entwicklung in ungeahnter Dimension und Qualität in den wissenschaftlichen Kommunikationsprozess integriert werden.cite-ref-e-commerce-sciene-39-0[39] In der Berliner Erklärung wird auch der freie Zugang zu âPrimärdatenâ mit eingeschlossen. FĂźr Forschungsdaten, die nach den Prinzipien von Open Access verĂśffentlicht werden, werden auch die Begriffe Open Research Data oder Open Data verwendet. Die VerĂśffentlichung von Forschungsdaten nach den FAIR-Prinzipien trägt dazu bei, das Forschungsergebnisse nachvollziehbar, reproduzierbar und nachnutzbar werden. Forschungsdaten kĂśnnen als selbständige und referenzierbare Datensätze oder -sammlungen zum Beispiel in Forschungsdatenrepositorien oder auf Verlagsplattformen verĂśffentlicht, teilweise direkt als Anhang zu einem Forschungsartikel, teilweise indirekt, indem sie Ăźber einen Link nachgewiesen werden. Eine weitere Form der Datenpublikation sind Beiträge, in denen Forschungsdaten mit besonderer Bedeutung fĂźr das Fachgebiet bzw. besonders zur Nachnutzung geeignete Forschungsdaten beschrieben werden. Diese Data Papers werden in wissenschaftlichen Zeitschriften verĂśffentlicht, teilweise gibt es auch sogenannte Data Journals, die sich auf Data Papers spezialisiert habencite-ref-40[40].
In den Ingenieurwissenschaften wird auch fĂźr die VerĂśffentlichung technischer Dokumentationen (etwa CAD-Dateien) und freier Patente im Sinne von Open Hardware geworben.cite-ref-41[41]
Open Access fĂźr BĂźcher
â
Hauptartikel
:
Open-Access-Buch
Eine Erweiterung erfährt der Open-Access-Begriff, der sich zunächst vor allem auf Artikel in Fachzeitschriften bezog, durch die VerÜffentlichung von Monografien unter Open-Access-Bedingungen. So plant beispielsweise das von der Europäischen Union gefÜrderte Projekt OAPEN, das aus der Zusammenarbeit mehrerer Universitätsverlage hervorging, Bßcher aus geistes- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen frei zugänglich zu machen. Damit soll verhindert werden, dass die Wissenschaften, bei denen die Kommunikation hauptsächlich ßber Monographien und weniger ßber Fachaufsätze erfolgt, einen strukturellen Nachteil gegenßber Wissenschaften entwickeln, in denen die Open-Access-Strategien bereits eine hÜhere Verbreitung gefunden haben.cite-ref-42[42]
Delayed Open Access
â
Hauptartikel
:
Delayed Open Access
Delayed Open Access bezeichnet ein Modell, bei dem die wissenschaftlichen Publikationen nach einer Wartezeit (Embargofrist) frei zugänglich werden. Bei vielen Delayed-Access-Zeitschriften dauert diese zwÜlf Monate.cite-ref-43[43]
Digitalisate
Viele Verlage versuchen durch die Digitalisierung ihrer älteren Bestände, auch Retrodigitalisierung genannt, weitere Geschäftsfelder zu erschlieĂen. Manche tun dies in Kooperation mit den Bibliotheken, beispielsweise in Projekten wie DigiZeitschriften. Einige GroĂverlage haben ihre Bestände in Eigenregie gescannt, obwohl sie vor der Verabschiedung des zweiten Korbs nach dem Deutschen Urheberrecht keine Rechte dafĂźr besaĂen.cite-ref-e-commerce-sciene-39-1[39]
Open Access fĂźr Kulturgut
Die Berliner Erklärung spricht â der ECHO-Charta folgend â ausdrĂźcklich die KulturgĂźter in Archiven, Bibliotheken und Museen an. Auch sie sollen kostenlos und nachnutzbar nach den gleichen Prinzipien wie die wissenschaftliche Fachliteratur zugänglich sein. Dies fĂźhrt allerdings zu Konflikten im Bereich der Bildrechte. Freie Projekte beschweren sich Ăźber das sogenannte Copyfraud der kulturgutverwahrenden Institutionen, die ihrer Ansicht nach gemeinfreie Werke remonopolisieren, indem nicht bestehende Urheberrechte behauptet werden.cite-ref-44[44] Auf der anderen Seite kämpfen Kulturerbeeinrichtungen und insbesondere Museen darum, dass sie Abbildungen von geschĂźtzten Werken der bildenden Kunst in ihren Sammlungen im Internet zeigen und Ăźber soziale Netzwerke teilen dĂźrfen.cite-ref-45[45]
Finanzierung
Auch beim digitalen VerÜffentlichen von Dokumenten entstehen Kosten, auch wenn sie nicht so hoch sind wie bei gedruckten Werken. In der traditionellen Publikationswirtschaft werden wissenschaftliche Publikation von den Wissenschaftsverlagen als verwertbare Marktware definiert,cite-ref-46[46] während bei Open Access Wissenschaftler, ForschungsfÜrderer, Institutionen und Bibliotheken teilweise an die Stelle der Verlage treten und damit die Produktionskette des Publikationsmarktes verändern. Diese Richtung wird auch als Wissenschaftsgeleitetes Publizieren oder Scholar-led Open Access bezeichnet.
PublikationsgebĂźhren
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Hauptartikel
:
Article Processing Charge
Eine groĂe Zahl von Open-Access-Zeitschriften verlangt von den Autoren PublikationsgebĂźhren, die sich Ăźblicherweise an den Prozesskosten orientieren, die dem Verlag pro Online-VerĂśffentlichung durchschnittlich entstehen. Sie werden auch als Article Processing Chargecite-ref-alternative-gesch-ftsmodelle-10-1[10] (APC) und das Geschäftsmodell als Autor-zahlt-Modell (englisch author pays model) bezeichnet. In einer Studie der Kaufmann-Wills-Group wurde festgestellt, dass dieses Finanzierungsmodell bei den Open-Access-Zeitschriften bei unter 50 Prozent und damit unter dem Wert fĂźr konventionelle Zeitschriften liegt.cite-ref-47[47] Zwischen den einzelnen Fachdisziplinen gibt es groĂe Unterschiede: In jenen Wissenschaften, in denen eine PublikationsgebĂźhr, oft in Form eines Druckkostenzuschusses in Form von page charges und colour charges, auch bei konventionellen Zeitschriften erhoben wird (z. B. in den Biowissenschaften), ist der Anteil hĂśher; bei geisteswissenschaftlichen Zeitschriften ist er geringer. Manche Zeitschriften erlassen den Autoren die GebĂźhren, wenn sie finanziell benachteiligten Einrichtungen angehĂśren.
Etliche FĂśrderorganisationen ermutigen oder verpflichten ihre Wissenschaftler zum Open-Access-Publizieren und Ăźbernehmen teilweise oder ganz die VerĂśffentlichungsgebĂźhren, so dass die Etats der Arbeitsgruppen und Institute nicht oder weniger stark belastet werden.
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstĂźtzte mit dem von 2009 bis Ende 2020 laufenden FĂśrderprogramm âOpen-Access-Publikationskostenâ wissenschaftliche Hochschulen bei der Einrichtung von Publikationsfonds, aus denen die Hochschulen die GebĂźhren fĂźr Publikationen von HochschulangehĂśrigen in Open-Access-Zeitschriften finanzieren kĂśnnen.cite-ref-48[48]cite-ref-49[49]
Institutionelle Mitgliedschaft und Verlagsvereinbarungen
institutionelle-mitgliedschaftverlagsvereinbarungBeim Modell der âInstitutionellen Mitgliedschaftâ leisten Forschungsinstitutionen oder ihre Bibliotheken eine Vorauszahlung oder zahlen eine JahresgebĂźhr, um den angehĂśrigen Wissenschaftlern die VerĂśffentlichung ihrer Forschungsergebnisse in einem Open-Access-Journal ohne weitere Kosten oder zumindest zu vergĂźnstigten Bedingungen zu ermĂśglichen.cite-ref-50[50]cite-ref-2-51-0[51]cite-ref-1-52-0[52] Ein bekanntes Beispiel fĂźr dieses Geschäftsmodell ist der britische Verlag BioMed Central.cite-ref-1-52-1[52]
Die Abgrenzung zwischen einem Abonnement und einer institutionellen Mitgliedschaft ist nicht immer ganz scharf. Ein Zeitschriftenabonnement kann beispielsweise einen Rabatt auf die PublikationsgebĂźhren des entsprechenden Verlags einschlieĂen.cite-ref-2-51-1[51] Aus Sicht der Kunden, insbesondere publikationsstarker Einrichtungen, ist das Modell einer institutionellen Mitgliedschaft attraktiv. FĂźr Verlage besteht jedoch das Risiko, dass vereinbarte Pauschalen unter den tatsächlichen Kosten liegen.cite-ref-alternative-gesch-ftsmodelle-10-2[10]
Der Begriff âInstitutionelle Mitgliedschaftâ fĂźr diese Art Finanzierungsmodell ist umstritten, da kein Einfluss auf den Verlag besteht â im Gegensatz zu der Situation bei einer ebenfalls als âinstitutionelle Mitgliedschaftâ bezeichneten Mitgliedschaft einer juristischen Person in einem Verein oder Verband. Im Englischen wird deshalb auch von institutional sponsorship gesprochen.cite-ref-2-51-2[51]
Im deutschen Sprachraum hat sich auĂerdem die Bezeichnung âVerlagsvereinbarungâ fĂźr Verträge mit Verlagen verbreitet, in denen z. B. Rabatte und Zahlungsmodalitäten festgelegt werden. Gemeint ist auch hier eher ein Rahmenvertrag zwischen Bibliothek und Verlag.cite-ref-2-51-3[51]
Kritisch betrachtet wird der Begriff âInstitutionelle Mitgliedschaftâ auch aus Perspektive der Wissenschaftsfreiheit, da bei Beschäftigten einer Forschungsinstitution der Eindruck entstehen kann, Publikationen seien bevorzugt bei Verlagen einzureichen, mit denen eine solche bestehe.cite-ref-2-51-4[51]
Hybride Finanzierungsmodelle
In hybriden Finanzierungsmodellen werden sowohl Open-Access-Artikel als auch zugangsbeschränkte Artikel innerhalb einer Zeitschrift publiziert. Der Verlag hält an den ursprßnglichen Subskriptionsmodellen fest, bietet den Autoren aber zusätzlich an, gegen eine Gebßhr den Artikel als Open Access freischalten zu lassen. Zahlen die Autoren die Extragebßhren nicht, wird der Artikel nur gegen Entgelt abgegeben. Fßr die Bibliotheken bedeutet dieses hybride Modell zunächst keine finanzielle Entlastung.cite-ref-53[53] Der Wissenschaftsverlag Springer fßhrte im Juli 2004 als einer der ersten Verlage das hybride Modell unter dem Namen Open choice ein.cite-ref-54[54] Fßr die Freischaltung zu Open Access wurden 3000 US-Dollar pro Publikation verlangt. Etliche weitere Verlage folgten diesem Vorstoà und verlangten 2007 Gebßhren zwischen 1000 und 5000 US-Dollar.cite-ref-alternative-gesch-ftsmodelle-10-3[10]
Publish-and-Read-Verträge, auch Transformationsverträge oder Offsetting
Das Modell des Offsettings kann als Transformationsmodell zwischen der ausschlieĂlichen Zahlung von SubskriptionsgebĂźhren und der ausschlieĂlichen Zahlung von PublikationsgebĂźhren angesehen werden. Bibliotheken bzw. Konsortien zahlen hier in der Ăbergangsphase die etablierten SubskriptionsgebĂźhren zuzĂźglich der PublikationsgebĂźhren. Im Folgejahr reduziert sich dann der Preis fĂźr die SubskriptionsgebĂźhren um den Betrag der PublikationsgebĂźhren des vorherigen Jahres.cite-ref-55[55] Verlage kĂśnnen so weiterhin verlässliche Einnahmen erzielen, während langsam ein Ăbergang im Finanzierungsmodell geschieht. Die Verträge zwischen den Konsortien und den Verlagen werden auch als Transformationsverträge und das Modell als Publish-and-Read-Modell (PAR) bezeichnet. Die ESAC (Efficiency and Standards for Article Charges)-Initiativecite-ref-56[56] sammelt seit 2014 Daten und Fakten zum Thema Transformationsverträge. In Deutschland sind die DEAL-Verträge das bekannteste Beispiel fĂźr Transformationsverträge.
Schweden
In Schweden sind Verhandlungen des Bibsam-Konsortiums mit Elsevier im Jahr 2018 zunächst gescheitert. Auf das Jahr 2020 konnte eine Read-and-Publish-Vereinbarung mit Elsevier abgeschlossen werden. Die Verhandlungsziele entsprachen denjenigen des deutschen DEAL-Projektes. Der bestehende Konsortialvertrag lief am 30. Juni 2018 aus und wurde zunächst nicht verlängert.cite-ref-57[57] Die Zahlungen des Bibsam-Konsortiums fßr den Zugang zu Elsevier-Zeitschriften betrugen im Jahr 2017 12.559.062 EUR.cite-ref-58[58] Mit dem eingesparten Geld fÜrdert die Universität Stockholm die Publikation von Arbeiten ihrer Forscher in reinen Open-Access-Zeitschriften.cite-ref-59[59] Das Bibsam-Konsortium verfßgt damit ab dem Jahr 2020 Read-and-Publish-Vereinbarungen mit Elsevier, SAGE, Wiley, Springer Nature, Taylor & Francis und Oxford University Press.cite-ref-60[60]
Ungarn
Am 15. Dezember 2018 gab das Hochschulkonsortium von Ungarn bekannt, dass die Verträge mit Elsevier fĂźr ScienceDirect, Scopus und SciVal ab 2019 nicht verlängert werden. Das Konsortium versuchte ebenfalls einen Zugang fĂźr Publish and Read als Ăbergang zu reinem Open Access zu verhandeln.cite-ref-61[61] Im März 2019 unterzeichnete das Hochschulkonsortium von Ungarn mit Wiley einen Publish & Read-Vertrag.cite-ref-62[62] Bereits im Januar 2019 wurde eine ähnliche Vereinbarung mit Springer abgeschlossen.cite-ref-63[63]
USA
In den USA hat die University of California (UC) den bisherigen Vertrag mit Elsevier ab dem Jahr 2019 nicht mehr erneuert.cite-ref-64[64] In den gescheiterten Verhandlungen angestrebt wurde ebenfalls ein âPublish-and-Readâ-Modell. Die University of California publiziert pro Jahr beinahe 10 Prozent des gesamten Publikationsvolumens der USA.cite-ref-65[65] Die Zahlungen der UC fĂźr den Zugang zu Elsevier-Zeitschriften betrugen zwischen 2014 und 2018 rund 50 Millionen USD,cite-ref-66[66] wovon allein im Jahr 2018 Kosten in HĂśhe von 10.568.756,54 USD anfielen.cite-ref-67[67]
Im Nachgang zu den gescheiterten Verhandlungen mit Elsevier unterzeichnete die UC im April 2019 den ersten âRead-and-Publishâ-Vertrag mit dem Verlag Cambridge University Press.cite-ref-68[68]
Norwegen
Als erstes europäisches Land gelang es Norwegen Ende März 2019 einen âRead-and-Publishâ-Vertrag mit Elsevier abzuschlieĂen.cite-ref-69[69] Noch Anfang 2019 scheiterten zunächst die Verhandlungen fĂźr eine Erneuerung der Lizenz fĂźr 44 universitäre Institutionen.cite-ref-70[70] Der neue Vertrag gewährt lesenden Zugriff auf die sogenannte âScience Direct Freedom Collectionâ. Artikel von norwegischen Autoren werden ohne Aufpreis als Open Access unter der Creative Commons Lizenz CC-BY publiziert.cite-ref-71[71]
Bereits Anfang März 2019 unterzeichnete Norwegen einen Publish & Read Vertrag mit Wiley.cite-ref-72[72]
Niederlande
Die niederländische Vereniging van Universiteiten (VSNU) erreichte fĂźr den am 31. Dezember 2018 auslaufenden Lizenzvertrag mit Elsevier keine Einigung Ăźber eine allfällige definitive Erneuerung. Die VSNU strebt einen Lizenzvertrag an, der den Vorgaben von Plan S entspricht und den Ăbergang zu 100 % Open Access gemäà dem Nationalen Open Science Plancite-ref-73[73] bis ins Jahr 2020 sicherstellen soll. Der bestehende Lizenzvertrag wurde um 6 Monate verlängert, um Zeit fĂźr weitere Verhandlungen zu gewinnen.cite-ref-74[74]
Schweiz
In der Schweiz verliefen die Verhandlungen Ende 2019 von swissuniversities fßr Read and Publish-Verträge ab dem Jahr 2020 mit Elsevier Wiley und Springer Nature vorläufig erfolglos. Mit Elsevier und Wiley wurden Absichtserklärungen (Memorandum of Understanding) fßr den Abschluss von Read and Publish-Verträgen unterzeichnet und die bestehenden Verträge konnten kostenneutral um ein Jahr bis Ende 2020 verlängert werden. Die Verhandlungen mit Springer Nature verliefen ergebnislos: der bestehende Vertrag wurde nicht erneuert. Ab dem Jahr 2020 besteht hinsichtlich Springer Nature ein vertragsloser Zustand.cite-ref-75[75]
Subscribe to Open (S2O)
Beim âSubscribe to Openâ-Modell werden Closed-access-Zeitschriften in Open-Access-Zeitschriften ĂźberfĂźhrt, indem sich eine genĂźgend groĂe Anzahl an Bibliotheken und Institutionen dazu verpflichten, die zuvor Ăźblichen AbonnementsgebĂźhren auch nach der ĂberfĂźhrung in Open Access weiterzuzahlen. Dadurch fallen fĂźr die Autoren keine APC (PublikationsgebĂźhren) mehr an (Diamond Open Access).cite-ref-76[76]cite-ref-77[77] Das Modell wurde 2017 vom US-Verlag Annual Reviews entwickelt und es beteiligen sich bislang 15 Verlage mit mehr als 150 Zeitschriften an dem Modell (Stand 2023).cite-ref-78[78] Subscribe to Open verĂśffentlicht eine Tabelle mit Zahlen der sich beteiligenden Verlage, Stand März 2025 wurden auf diese Weise mehr als 300 Zeitschriften unter eine freie Lizenz gestellt.cite-ref-79[79]
Weitere Finanzierungsmodelle
Bei dem âCommunity-Fee-Modellâ werden die beispielsweise von einer Fachgesellschaft publizierten Artikel Ăźber die Mitgliedsbeiträge finanziert. Andere Verlage nutzen die institutionelle Infrastruktur von Bibliotheken und Universitäten und werden so von diesen querfinanziert. Auch der Verkauf von Printprodukten kann zur Finanzierung der Online-Publikation mit beitragen.
Umsetzung
FĂźr die Forderung nach Open Access spricht, dass damit stark subventionierte Forschungsergebnisse der Universitäten und anderer Ăśffentlich unterstĂźtzter Forschungseinrichtungen frei zugänglich werden und nicht teuer verkauft werden: Open Access ist âdie geeignete Antwort auf die Krise der wissenschaftlichen Literatur, die sich nicht nur auf die Zeitschriftenpreise auswirkt, sondern auch dazu fĂźhrt, dass etwa ein Sammelband in vierfacher Weise von der Ăśffentlichen Hand subventioniert wird und der Staat so seine eigenen Forschungsergebnisse von kommerziellen Verlagen zurĂźckkauftâ.cite-ref-80[80]
Forschungspolitik
Seit Beginn der 2000er begannen international forschungspolitische BemĂźhungen, das wissenschaftliche Publikationswesen auf Open Access umzustellen, die sogenannte Open-Access-Transformation.
Plan S ist eine von der cOAlition S, einem Zusammenschluss von 22 nationalen und internationalen ForschungsfÜrderern sowie der Europäischen Kommission und dem Europäischen Forschungsrat, 2018 verÜffentlichte Strategie zur FÜrderung des freien Zugangs zu wissenschaftlichen Erkenntnissen, die mit Üffentlichen Mitteln erarbeitet wurden.cite-ref-83[83]
Argumente von Open-Access-BefĂźrwortern
BefĂźrworter fĂźhren neben den bereits erwähnten finanziellen Argumenten weitere GrĂźnde an, die fĂźr eine grĂśĂere Verbreitung von Open Access sprechen:
⢠Nachprßfbarkeit: Wenn Forschungsdaten und die darauf aufbauenden Forschungsergebnisse offen zugänglich sind, kÜnnen diese von mehr Menschen ßberprßft werden.
⢠ErmÜglichung und Beschleunigung wissenschaftlicher (internationaler) Zusammenarbeit:cite-ref-86[86] Beispielsweise ermÜglichten im Rahmen der COVID-19-Pandemie zahlreiche Verlage und Institutionen Open-Access-Zugang zu allen das Virus und die Pandemie betreffenden Publikationen, um die Bekämpfung der Pandemie zu beschleunigen.cite-ref-lancet-87-0[87]cite-ref-jama-88-0[88]cite-ref-nejm-89-0[89]cite-ref-springer-nature-90-0[90]cite-ref-who-research-91-0[91]
⢠Schnelle Relevanzprßfung mÜglich: Häufig ist es bei der Recherche nach Informationen selbst dann nicht mÜglich, zielsicher einzuschätzen, ob ein Werk relevant fßr den eigenen Informationsbedarf ist, wenn Titel, Abstract, Inhaltsverzeichnis und Schlag-/Stichworte gegeben sind. In diesem Fall hilft nur ein Blick ins Werk selbst. Wenn dieser Blick ins Werk nicht kostenlos ist, entstehen selbst fßr die Werke Kosten, die das eigene Informationsbedßrfnis nicht betreffen.
⢠Bessere Auffindbarkeit: Open-Access-Publikationen sind auch fßr Suchmaschinen und Webcrawler frei zugänglich. Der Indexierung dieser Publikationen liegen deshalb nicht nur vom Verlag bereitgestellte Metadaten, sondern auch die Volltexte zu Grunde, was zu einer präziseren maschinellen Aufarbeitung und zu einer besseren Auffindbarkeit fßhren kann.
Kritik
Siehe auch
:
Predatory Open-Access Publishing
VerĂśffentlichungszwang in OA-Zeitschriften
Manche Wissenschaftler und Autoren wissenschaftlicher Arbeiten sehen in der zunehmenden Subventionierung freier VerĂśffentlichungen durch WissenschaftsfĂśrderer und -organisationen einen unrechtmäĂigen Zwang zu dieser Art der VerĂśffentlichung. Nach Ansicht der Kritiker wird der Autor derart eingeschränkt, dass er nicht mehr frei entscheiden kann, auf welche Weise er die Ergebnisse seiner wissenschaftlichen Arbeit verĂśffentlichen mĂśchte.cite-ref-92[92]
Eine ähnliche Auffassung vertreten auch die Autoren und Unterzeichner des sogenannten Heidelberger Appells, die in der offenen UnterstĂźtzung der Allianz der Wissenschaftsorganisationen fĂźr Open Access âweitreichende Eingriffe in die Presse- und Publikationsfreiheitâ sehen,cite-ref-93[93] oder der Bibliothekar Uwe Jochum, der 2009 in der Wissenschaftszeitung Recherche resĂźmierte, dass das, was âals Versuch begann, einen Ausweg aus der Zeitschriftenkrise zu findenâ unter der Hand âzu einem Projekt der Totaltransformation von Wissenschaft gewordenâ sei, an dessen Ende eine âvollständig digitalisierte Forschungsinfrastrukturâ stehen solle, âin der alle Publikationen als âOpen-Accessâ-Publikationen erscheinen und verwaltet werdenâ. Zudem sei Open Access insgesamt teurer als das traditionelle Modell.cite-ref-94[94]
Die Vorwßrfe, sie verfolge das Ziel, verfassungswidrig in Publikationsfreiheit oder Urheberrechte einzugreifen oder Verlagsinteressen nicht zu berßcksichtigen, wiesen die in der Allianz zusammengeschlossenen Wissenschaftsorganisationen in einer gemeinsamen Erklärung vom März 2009 zurßck.cite-ref-95[95]
Interessenkonflikte
Bei Open-Access-VerĂśffentlichungen mĂźssen in vielen Fällen von den Autoren oder ihren Einrichtungen PublikationsgebĂźhren gezahlt werden, um die Kosten der digitalen Bereitstellung zu decken (âAutor-zahlt-Modellâ). Damit stellt sich die Frage, welcher Autor bei knappen Mitteln unter Anlegung welcher Kriterien in den Genuss einer von der Wissenschaftsorganisation subventionierten VerĂśffentlichung kommt. Lauten diese Kriterien (offen oder verdeckt) Stellung in der wissenschaftlichen Hierarchie, Anciennität, Macht o. ä., dann kann es zu einem Konflikt mit dem eigentlich maĂgeblichen Kriterium Nachweis wissenschaftlicher Qualität durch externe Begutachtung kommen. Ein ähnlicher Konflikt entsteht, wenn eine Subventionierung der VerĂśffentlichung durch Firmen (und in deren Interesse) erfolgt.cite-ref-informationsplattform-96-0[96]
DarĂźber hinaus kann es Interessenkonflikte bezĂźglich Gutachtensstandards geben. Immer wieder gibt es â nicht nur bei digitalen Publikationen â Auseinandersetzungen um die Qualität und Neutralität von Gutachten. Im Zusammenhang mit digitalen Publikationen wird dabei vor allem befĂźrchtet, dass Gutachter auch solche Publikationen passieren lassen, die eigentlich nicht den Standards entsprechen, âda ein durch GebĂźhren gestĂźtztes Publikationsmodell einen Anreiz fĂźr niedrige Ablehnungsquoten biete.âcite-ref-informationsplattform-96-1[96] Im Folgenden sind zwei Beispiele fĂźr Interessenkonflikte bei Gutachtensstandards genannt.
Im April 2009 verÜffentlichte eine Gruppe von Wissenschaftlern in The Open Chemical Physics Journal Ergebnisse, nach denen der Nachweis von Nanothermit, einem experimentellen Explosivstoff, in unreagiertem und reagiertem Zustand in Proben des Staubs des World Trade Centers gelungen sei. Der Artikel erschien in einem Open-Access-Journal der Bentham-Science-Verlagsgruppe. Nach Angaben der Autoren hat ein Peer-Review-Verfahren stattgefunden, das bei dem betreffenden Journal nach Verlagsangaben Standard ist.cite-ref-97[97] Der Artikel, der eine hohe Aufmerksamkeit bei Anhängern von VerschwÜrungstheorien findet, da er als erster Nachweis einer kontrollierten Sprengung angesehen wird, wurde jedoch massiv inhaltlich kritisiert. Zwei Chefredakteure des Journals traten wegen der Angelegenheit zurßck, u. a. wegen massiver Unzufriedenheit mit der Handhabung von VerÜffentlichung und Peer-Review durch den Verlag.cite-ref-98[98]
Drei Monate später musste ein weiterer Chefredakteur eines Open-Access-Journals des Verlags zurßcktreten. Die Zeitschrift hatte angeboten, einen Scherzartikel nach angeblich erfolgter Peer-Review und gegen Zahlung von 800 US$ Kostenbeitrag zu verÜffentlichen. Der Vorfall lÜste eine Diskussion um die Begutachtungsstandards von Open-Access-Journalen aus, die wissenschaftliche Beiträge gegen eine Geldzahlung verÜffentlichen.cite-ref-99[99]cite-ref-100[100]
Probleme bei der Auffindbarkeit und Langzeitarchivierung von Dokumenten
Ăber die genannten Punkte hinaus wird kritisiert, dass die Auffindbarkeit von Open-Access-Dokumenten sowie deren Langzeitarchivierung Probleme darstellten, die bisher nicht gelĂśst seien. BefĂźrworter halten dem entgegen, dass durch die Beschreibung der Dokumente mit Hilfe von Metadaten, die MĂśglichkeiten moderner Volltextsuche und die Vernetzung der Open-Access-Repositories die Auffindbarkeit und schnelle Bereitstellung von wissenschaftlichen Publikationen eher gegeben sei als bei gedruckten Medien. Bei stetig abnehmenden Kosten fĂźr elektronische Speicher und der systematischen Entwicklung nationaler und internationaler Archivsysteme verliert darĂźber hinaus das Problem der Langzeitarchivierung an Bedeutung.cite-ref-informationsplattform-96-2[96]
Mangelhafter Peer-Review-Prozess
Der Journalist und Biologe John Bohannon testete die Vertrauenswßrdigkeit von Open-Access-Zeitschriften, indem er eine eigens verfasste, fehlerhafte Studie an 304 Open-Access-Zeitschriften schickte. Von diesen akzeptierten 157 Zeitschriften die Arbeit, 98 wiesen sie ab. 36 Zeitschriften fielen die offensichtlichen wissenschaftlichen Fehler auf, bei 16 wollten die Herausgeber die Studie trotzdem verÜffentlichen. So hatte das 2004 gegrßndete Directory of Open Access Journals ursprßnglich nur formale Kriterien fßr eine Aufnahme einer Zeitschrift in das Verzeichnis.cite-ref-101[101] 2014 wurden die Kriterien fßr die Aufnahme in das DOAJ verschärft, sodass Zeitschriften, die bis März 2014 nach alten Kriterien registriert waren, eine erneute Aufnahme beantragen mßssen.cite-ref-102[102]cite-ref-103[103]
Ăkonomisierung
Mithin wird die Kommerzialisierung des Open Access kritisiert (z. B. durch das Modell der Publikationsgebßhren oder in Form landesweiter Konsortien zur kombinierten Subskription von wissenschaftlichen Zeitschriften inklusive einer daran geketteten MÜglichkeit der Open-Access-Publikation), da diese die Dominanz bereits marktbeherrschender Verlage verstärken und die Kostenspirale im wissenschaftlichen Publikationsmarkt weiter in die HÜhe schrauben wßrde.cite-ref-104[104]cite-ref-105[105]cite-ref-106[106]
Literatur
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⢠Maurice Erb, Simon Ganahl und Patrick Kilian: Wissen fßr alle? #Open Access und die Macht der Wissenschaftsverlage, in: geschichtedergegenwart.ch. 6. September 2017.
⢠Christian Heise: âVon Open Access zu Open Science: Zum Wandel digitaler Kulturen der wissenschaftlichen Kommunikationâ [Zugleich: Diss., Leuphana Universität LĂźneburg, 2017]. Meson Press, LĂźneburg 2018, ISBN 978-3-95796-130-3, doi:10.14619/1303.
⢠Christian Koller: Openness oder nordkoreanische Verhältnisse? Top-down implementierter Open Access im britischen Hochschulsystem, in: Informationspraxis 3/1 (2017).
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Dokumentarfilm
⢠Jason Schmitt: Paywall â The business of scholarship. Open Society Foundations, 2018. Vimeo. Lizenz: CC-BY 4.0.cite-ref-107[107]
Weblinks
Commons
: Open Access
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
⢠open-access.network â Zentrale, BMBF-gefĂśrderte deutschsprachige Informationsplattform
⢠Global Open Access Portal der UNESCO
⢠OA2020 â Programm der Max Planck Digital Library (MPDL) zur Transformation von Subskriptionszeitschriften in Open Accesscite-ref-108[108]
⢠Deutsche Nationalbibliothek: Open Access: Zugriff auf digitale Sammlungen
⢠Subscribe to Open (S2O) â A pragmatic approach for converting subscription journals to open accesscite-ref-109[109]
⢠The European Commissionâs Open Access Pilot for Research Articles: Frequently Asked Questions
Einzelnachweise
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cite-note-22. â Beispiel: Members of OASPA acknowledge a common interpretation of Open Access publishing that includes the following components⌠:Code of Conduct - OASPA. 22. Dezember 2023, abgerufen am 25. September 2025.
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cite-note-oa-historischer-abriss-66. â Peter Schirmbacher: Open Access â ein historischer Abriss. In: Open Access â Chancen und Herausforderungen. (PDF; 2,9 MB), Deutsche UNESCO-Kommission 2007
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